Vereinschronik

Vorwort

Liebe Mitglieder von

 

Stoahaus'n Kurz

Jedes Mitglied, besonders die Jugend sollte die Entstehungsgeschichte seines Vereins kennen.

 

Darum hat sich der Ausschuß bemüht, die Chronik ab 1966 weiter zu schreiben.

Ein Trachtenverein wie der unsere, lebt von der Vergangenheit und der Zukunft.

Die Vergangenheit, das sind unsere gefallenen und verstorbenen Mitglieder, die in Ehren gehalten werden.

Die Zukunft ist unsere Jugend, die das Brauchtum Weitertragen wird.

Bayern ohne Trachtler und Brauchtum, wäre undenkbar.

 

 

Gott mit dir, du Land der Bayern

unterm Himmel weiß und blau;

Treu der Heimat - Treu der Tracht:

Treu dem guten alten Brauch

 

 

 

 

 

München, im Januar 1990

(München, 09.06.1971)

 

 

 

 

Aus einer Stammtischgesellschaft wurde im November 1911 in der Gaststätte zur Bundesschießstätte Steinhausen ein Trachtenverein gegründet. Daher auch der Name "Stoahaus'n Kurz", der vom Gründungsmitglied Toni Loder stammt. Mit großem Idealismus gingen diese paar Männer an das große Vorhaben. Der Verein wurde im darauffolgenden Jahr im Landesverband bayerischer Heimat- und Volkstrachtenvereine aufgenommen.

Mitten in der Aufbauarbeit kam der 1. Weltkrieg und die meisten männlichen Mitglieder mußten an die Front, von der sie nicht mehr zurückkamen. Nur zwei Mitgliedern ist es zu verdanken, daß der Verein am Leben blieb. Das waren Gründungsvorstand Hans Steindl und Vorplattler Toni Loder. Letzterer nahm sich dann der Jugend von Steinhausen an und so konnte er nach Kriegsende mit voller Kraft als Vorstand den Verein wieder neu aufbauen, was ihm auch gut gelungen ist. Durch seinen Humor und seine Kenntnisse in der Trachtenbewegung ist es Kamerad Toni Loder gelungen, die jungen Leute im Verein zusammen zu halten.

Gründungsvorstand Hans Steindl wurde im Jahre 1920 zum Ehrenvorstand ernannt, da er in Perlach einen eigenen Verein gründete.

Eine große Stütze erhielt der Verein, sowie der Ausschuß durch den Beitritt von Kamerad Franz Paintinger, der ein großer Gönner der Trachtensache war. Der Verein brachte es dann zu einer Standarte, welche im Jahr 1920 bei der Weihnachtsfeier enthüllt wurde.

Im Jahr 1921 übernahm der Verein seine erste Patenstelle bei den "Daxberglern" Kirchseeon, den heutigen "Seetalern".

Im gleichen Jahr konnte der Verein sein 10-jähriges Stiftungsfest im größeren Rahmen im Münchner-Kindl-Keller feiern.

Durch die gute Kameradschaft im Verein wuchs die Mitgliederzahl ständig und man dachte an eine Fahne. Durch großzügige Spenden der Mitglieder wurde der Grundstock zur Fahne gelegt und der Ausschuß beauftragt diese in Angriff zu nehmen. Der Entwurf von Prof. Medele (Birkastoana Stamm) wurde einstimmig angenommen und die Firma Auer mit der Ausführung beauftragt. In der Zwischenzeit gründete Kamerad Paintinger eine Blaskapelle im Verein, wobei er sich große Mühen und Opfer auferlegte.

Am Ostersonntag, den 1. April 1923 war dann die Fahnenweihe in der Johanniskirche in Haidhausen und die Feier im Salvatorkeller. Pate standen die "Ampertaler" Dachau. Durch Versagen einiger Mitglieder wurde das Fest mit Defizit abgeschlossen und es kamen dadurch Unstimmigkeiten im Verein auf, welche aber durch eine sachliche Aussprache wieder bereinigt wurden.

Noch im gleichen Jahr standen wir zum zweiten Mal Pate und zwar bei den "Ebrachtalern" Steinhöring.

Am 13. Juli 1924 standen wir zum dritten Mal Pate, beim Trachtenverein "Ismaning" und zum vierten Mal am 20. Juli 1924 bei den "Altmühltalern" in Kipfenberg. Das kostete die Mitglieder große Opfer und es kam zu einem kleinen Stillstand im Verein. Langsam erholte man sich wieder von den Ereignissen und die Mitgliederzahl war wieder im Steigen.

Im Jahre 1928 hat der Trachtenverein "Wetterstoana" bei uns zu seiner am 9. September stattfindenden Fahnenweihe angehalten, welcher mit Freuden zugesagt wurde, da doch der Vorstand Jakob Schläger eine bekannte Persönlichkeit in der Trachtenbewegung war. Bei diesem Fest war unser Verein von allen Patenstellen mit Musik am stärksten vertreten.

In diesem Jahr hatte der Verein seinen Höhepunkt an Mitgliedern erreicht.

Mitten in dieser schönen Zeit kam das Dritte Reich und darüber zu schreiben dürfte sich erübrigen, denn da wurden alle Vereine gleichgeschaltet. Unser Verein hat sich soweit es ging zurückgezogen.

Dann kam 1939 der zweite große Weltkrieg und wieder mußten die meisten Kameraden an die Front, von der mancher nicht mehr zurückkehrte. Durch einen Bombenangriff wurde das Vereinslokal samt Inventar zerstört.

Nur Kamerad Toni Loder ist es zu verdanken, daß die schöne Vereinsfahne und die Pokale erhalten blieben, wofür ihm die heutigen Mitglieder noch von Herzen dankbar sind. Wieder war es Kamerad Toni der nach dem Krieg einige zurückgekehrte Kameraden aufsuchte, um mit ihnen den Wiederaufbau des Vereins zu beginnen. Große Opfer brachten die wenigen Mitglieder bei der Anschaffung von Trachten und langsam ging es mit dem Verein wieder bergauf. Auch die Kapelle wurde wieder neu zusammengestellt und unter dem Vereinsnamen "Stoahaus'n Kurz" geführt.

Im Jahre 1953 ersuchte der Bruderverein "Almrausch Enzian" Lerchenau um die Patenschaft zu seiner am 23.08.1953 stattfinden Fahnenweihe, welche einstimmig angenommen wurde und somit stand der Verein während seines Bestehens zum 6. Mal Pate.

Dies war für unseren liebwerten Vorstand Toni Loder das letzte Fest, denn im September 1954 nahm er für immer Abschied von uns.

Nun galt für uns das Motto, das aufgebaute Werk zu erhalten, weiterzuführen und weiter aufzubauen.

Der Verein ist im Jahre 1960 aus dem Landesverband ausgetreten und hat sich dem Isargau angeschlossen.

Mit großem Erfolg konnte der Verein im Jahre 1961 sein 50-jähriges Stiftungsfest im Salvatorkeller feiern.

Im Jahre 1966 standen wir bei unserem Patenkind "Ebrachtaler" Steinhöring zum zweiten Mal Pate.

Durch die großen finanziellen Opfer und die gute Kameradschaft von Seiten der Mitglieder hat sich der Verein wie eine große Familie zusammengefunden und es ist eine Freude, wenn man sieht, was die Mitglieder alles geleistet haben.

 

Dies dürfte in groben Umrissen der Werdegang des Vereins sein.

Treu dem guten alten Brauch

Sepp Schönberger

Ehrenvorstand

 

 

Weiterführung der Vereinchronik von 1966 bis 1991

1966 besuchten wir die Fahnenweihe der "Ebrachtaler" Steinhöring bei welcher unsere Loder Lona unter Beifall den Prolog sprach.

1970 nahmen wir am HUOSIGAUFEST in Diessen teil.

Im Jahre 1971 wurde der 70. Geburtstag von Vorstand Sepp Schönberger und zugleich das 50. Trachtenjubiläum gefeiert. Der Gauvorstand und 5 Patenvereine gratulierten ihm. Schriftführer Fritz Loder ernannte ihn im Namen des Vereins zum Ehrenvorstand.

1971 waren wir als Patenverein bei den "Altmühltalern" Kipfenberg zum 50. Gründungsfest, verbunden mit dem Donaugaufest geladen. Jetzt besitzt der Verein von jedem Patenverein ein Fahnenband.

Unser Ehrenvorstand Sepp Schönberger kandidiert 1971 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für den Vorstandsposten. In der Generalversammlung wird die zweite Generation Loder Vorstand, nämlich Fritz Loder.

Heini Loder 2. Vorstand und Inventarverwalter sorgte dafür, daß das reichhaltige Inventar um die alten "Suppenknochen" verkleinert wurde und nur die wertvollen Gegenstände übrigblieben.

1973 war wohl das bisher schwärzeste Jahr. Am 26.10. holt unser Herrgott unseren Ehrenvorstand Sepp Schönberger nach kurzer, schwerer Krankheit zu sich. Er hielt dem Verein 53 Jahre die Treue und war sein Leben lang nicht nur ein eifriger Verfechter von Sitt und Tracht, sondern hat sich auch mit seiner Blaskapelle außerordentliche Verdienste erworben. Der Verein, 22 Fahnen und seine Musiker begleiteten ihn auf seinem letzten Weg.

Am 6.11.1976 feierten wir unser 65. Gründungsfest im Bürgerheim. Als Gäste begrüßte 1.Vorstand Fritz Loder folgende Vereine:

Patenvereine: Brudervereine:

Ampertaler, Dachau Geigerstoana Laim, München

Altmühltaler, Kipfenberg Raintaler, München

Ismaning Stamm Jachenauer, München

D'Wetterstoana, München Partnachtaler, München

Trachtenverein Steinhöring

Almrausch Enzian, Lerchenau

Da das Fest in kleinem Rahmen stattfand, wurde von Patengeschenken Abstand genommen. Das Programm des Abends gestaltete 2. Vorplattler Heinz Wagner. Es zeigte sich, daß im kleinen Rahmen die Kontakte leicht aufzufrischen sind.

1978 verschlechtert sich der Gesundheitszustand vom 1. Vorstand Fritz Loder, man beschließt keine Neuwahl stattfinden zu lassen! Alle Ausschußmitglieder nehmen ihr Amt wieder an. Der Verein wird vom 2. Vorstand Erich Huber geführt. Die Vertretung vom Vorstand bis zur Neuwahl übernimmt Heinz Wagner.

Dann die Schreckensnachricht. Am 16.11.1978 stirbt nach langer schwerer Krankheit im Alter von nur 45 Jahren unser 1.Vorstand Fritz Loder. Seit seiner Jugend hat er als Vorplattler, Schriftführer und zuletzt als Vorstand die Geschicke des Vereins beeinflußt. Er hat im Sinne seines Vaters die Vereinstradition in vorbildlicher Weise aufrecht erhalten. 31 Fahnen senkten sich über seinem offenen Grab.

Am 9. und 10.6.1979 waren wir beim 70. Gründungsfest mit Fahnenweihe bei den "Ismaningern" als Patenverein zu Gast. Luise Wagner spricht den Prolog.

1979 wurde dann wieder gewählt und Heinz Wagner wurde 1.Vorstand.

Allerheiligen 1980 stirbt unser Ehrenmitglied Maria Loder im Alter von 84 Jahren.

Am 10.10.1981 feierten wir mit einem bayerischen Heimatabend im Salvatorkeller unser 70. Gründungsfest. 70 Gauvereine waren geladen und über 30 hatten ihr Kommen zugesagt.

Am 24.11.1981 stirbt unser Ehrenmitglied Fanny Schönberger. Die Fanny war seit 1924 Mitglied in unserem Verein und wurde 1957 zum Ehrenmitglied ernannt. In der Fanny verloren wir einen Menschen mit außergewöhnlicher Ausstrahlungskraft. Mit ihrer Güte und Freundlichkeit war sie der ruhende Pol innerhalb des Vereins. Allein durch ihr ganzes Wesen war sie Vorbild für die Jugend und überaus beliebt bei den Erwachsenen. Wenn man von jemandem behaupten kann, er wäre die Güte in Person, dann trifft das auf die Fanny zu.

18 Fahnen senkten sich über ihrem offenen Grab und 1.Vorstand Heinz Wagner legte mit bewegten Worten einen Kranz nieder.

Bei der Generalversammlung 1985 wird beschlossen, daß die Fahne die nunmehr schon 62 Jahre alt ist, renoviert werden soll. Es wird ein Fahnenausschuß eingesetzt. Nach erfolgter Renovierung durch die Firma Eibl tragen wir die Fahne am 21.6.1986 zur Fahnenweihe in die Kirche Sankt-Bruder-Klaus um anschließend in der Gaststätte Leiberheim dieses Ereignis zu feiern.

Am 22.7.1989 waren wir Gäste bei den "Ismaningern" zu ihrem 80. Gründungsfest.

Am 19.5.1990 nahmen wir an der Fahnenweihe der "Mittenwalder-Stamm" im Augustinerkeller teil, wo wir als Ehrentanz, den Bandltanz aufführten, der allen Unkenrufen zum trotz hervorragend geklappt hat.

Anläßlich der Feierlichkeiten zur hundertjährigen Eingemeindung Neuhausens nahmen wir am 1.7.1990 an einem Festzug teil, der durch Neuhausen führte, um die dort ansässigen Vereine darzustellen.

Am 14.12.1990 stirbt nach schwerer Krankheit im Alter von 88 Jahren unser Waste Bernauer. Bereits im Jahre 1929 trat Waste unserem Verein bei. Seit den 30iger Jahren war er in unserem Ausschuß tätig u.a. als Fähnrich und Schriftführer. Auch als langjähriger Kassier hat er sich große Verdienste erworben und wurde deshalb im Jahre 1979 zum Ehrenmitglied ernannt. Seine 60. jährige Vereinszugehörigkeit haben wir am 20.1.1989 feiern können.

Bis zuletzt nahm er aktiv am Vereinsleben teil, denn noch im Juli war er am Gaufest in Feldmoching und auch an der Generalversammlung im November konnte er teilnehmen.

Wir verloren in unserem Waste eines unserer ältesten und treuesten Mitglieder.

Am 14.9.1991 feierten wir im Augustinerkeller in München unser 80. Gründungsfest.

Nachdem eine Woche vor dem Fest der Augustinerkeller wegen Renovierung noch eine Baustelle war, haben wir schon geglaubt, daß das Fest nicht stattfinden kann.

Aber am Samstag mittag hing der letzte Vorhang und stand der letzte Tisch im Saal und wir konnten mit dem Dekorieren beginnen.

Ab 19 Uhr spielte die Marktkapelle Wartenberg und brachte die nötige Stimmung in den Saal.

Alle unsere Patenvereine waren als Gäste erschienen:

"D'Ampertaler" Dachau

"Ismaning" Stamm

"Almrausch Enzian" Lerchenau

"D'Wetterstoana" München

"D'Altmühltaler" Kipfenberg

"Ebrachtaler" Steinhöring

und ebenso die Brudervereine

"Mittenwalder Stamm" München

"Neubeurer" München

"Geigerstoana" München Laim

"Ruhpoldinger Stamm" München

"Schmied v. Kochel" München

"Elbachtaler" München Solln

"Jachenauer" München

Nach dem kurzen Festakt hatten wir einen bayerischen Heimatabend geplant, mit einem staaden Teil, wo die Bacher Deandl, die Piesenkammer Sänger, der Fredi und der Erhard auf der Ziach und unsere Stubenmusi einen ca. 1 stündigen musikalischen Teil zur Unterhaltung aufführten.

Nach der Pause waren die Ehrentänze der Patenvereine und von uns, unterbrochen von zahlreichen allgemeinen.

Dieser Abend war nach Meinung aller rundherum gelungen und hat überall Anklang gefunden.

Die dürfte in groben Umrissen der Werdegang des Vereins von 1966 - 1991 sein.

Treu dem guten alten Brauch

im November 1991

Werner Jokisch 1.Vorstand